
Veröffentlicht am Von Florian Betz, Projektmanager
Viele Unternehmen starten mit Maßnahmen. Erst kommt die Website, dann ein paar Anzeigen, dann ein Instagram-Kanal. Nach einem Jahr kann niemand sagen, was davon Kunden gebracht hat. Ein Marketingkonzept dreht diese Reihenfolge um. Es legt fest, wen du erreichen willst, mit welcher Botschaft und über welche Kanäle, bevor das erste Budget fließt.
In diesem Beitrag erfährst du, was ein Marketingkonzept ist, aus welchen Bestandteilen es besteht und wie du es Schritt für Schritt erstellst. Am Ende findest du ein Beispiel aus dem Mittelstand und eine Vorlage, mit der du dein eigenes Konzept prüfen kannst.
Was ist ein Marketingkonzept?
Ein Marketingkonzept ist der schriftliche Plan, wie ein Unternehmen seine Marketingziele erreicht. Es verbindet drei Ebenen: Ziele, Strategie und Maßnahmen. Die Ziele beschreiben, was erreicht werden soll. Die Strategie legt fest, auf welchem Weg das geschieht. Die Maßnahmen sind das, was am Ende tatsächlich umgesetzt wird.
Der Unterschied zur Marketingstrategie wird oft verwechselt. Die Strategie ist ein Teil des Konzepts. Sie beantwortet die Frage nach der Richtung, etwa welche Zielgruppe du ansprichst und wie du dich vom Wettbewerb abhebst. Das Konzept geht weiter und übersetzt diese Richtung in Budget, Zeitplan und konkrete Kanäle.
Die 5 Bestandteile eines Marketingkonzepts
Je nach Lehrbuch werden die Teile etwas anders benannt. Inhaltlich enthält jedes belastbare Marketingkonzept diese fünf Elemente:
- Situationsanalyse: Wo steht das Unternehmen heute, im Markt und im Vergleich zum Wettbewerb?
- Marketingziele: Was soll in welchem Zeitraum erreicht werden, und woran wird es gemessen?
- Marketingstrategie: Welche Zielgruppe, welche Positionierung, welches Nutzenversprechen?
- Marketing-Mix: Mit welchen Instrumenten wird die Strategie umgesetzt?
- Budget und Kontrolle: Was darf es kosten, und wie wird regelmäßig geprüft, ob es wirkt?
Aufbau: Die Phasen eines Marketingkonzepts
In Lehrbüchern und IHK-Prüfungen begegnen dir Modelle mit 4, 6 oder 7 Phasen. Das wirkt widersprüchlich, ist es aber nicht. Die Modelle unterscheiden sich nur darin, wie fein sie die Schritte aufteilen. Das 4-Phasen-Modell fasst Analyse, Ziele, Strategie und Maßnahmen zusammen. Das 6-Phasen-Modell ergänzt Umsetzung und Kontrolle, das 7-Phasen-Modell zusätzlich das Budget als eigenen Schritt. Für die Praxis hat sich der folgende Ablauf bewährt.
Phase 1: Situationsanalyse
Am Anfang steht eine ehrliche Bestandsaufnahme. Welche Produkte und Leistungen bringen den Umsatz? Wer sind die besten Kunden, und wie haben sie zu dir gefunden? Was machen die Wettbewerber, und wo sind sie schwächer als du? Hilfreich ist eine SWOT-Analyse, die Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken auf einer Seite zusammenführt. Wichtig ist, dass hier Zahlen stehen und keine Vermutungen: Anfragen pro Monat, Abschlussquote, Kosten pro Neukunde.
Phase 2: Marketingziele festlegen
Ein Ziel wie „mehr Sichtbarkeit“ lässt sich weder planen noch prüfen. Gute Marketingziele sind messbar und haben einen Termin. Ein Beispiel: 15 qualifizierte Anfragen pro Monat aus Nordhessen bis Ende des nächsten Quartals. Unterscheiden lassen sich ökonomische Ziele wie Umsatz, Marktanteil oder Kosten pro Anfrage und psychografische Ziele wie Bekanntheit, Image oder Kundenzufriedenheit. Beide haben ihre Berechtigung, die ökonomischen entscheiden aber am Ende über das Budget.
Phase 3: Zielgruppe und Positionierung
In dieser Phase fällt die wichtigste Entscheidung des ganzen Konzepts: Für wen machst du Marketing? Je genauer die Zielgruppe beschrieben ist, desto treffsicherer werden später Botschaft und Kanalwahl. Bei Geschäftskunden heißt das zum Beispiel Branche, Unternehmensgröße, Region und die Person, die tatsächlich entscheidet. Daraus folgt die Positionierung: Warum sollte genau diese Zielgruppe bei dir kaufen und nicht beim Wettbewerb? Lässt sich diese Frage nicht in zwei Sätzen beantworten, ist die Strategie noch nicht fertig.
Phase 4: Marketing-Mix mit den 4P oder 7P
Der Marketing-Mix übersetzt die Strategie in Instrumente. Das bekannteste Modell sind die 4P, die durch Philip Kotler weite Verbreitung fanden:
- Product: Welche Leistung bietest du an, und was macht sie für die Zielgruppe wertvoll?
- Price: Wie ist der Preis aufgebaut, und passt er zur Positionierung?
- Place: Über welche Wege erreicht die Leistung den Kunden?
- Promotion: Über welche Kanäle und mit welcher Botschaft wird kommuniziert?
Für Dienstleister reicht das oft nicht, weil die Leistung erst im Kontakt mit Menschen entsteht. Deshalb gibt es die erweiterten 7P. Sie ergänzen People, also die Mitarbeitenden mit Kundenkontakt, Process, also den Ablauf aus Kundensicht, und Physical Evidence, also alles, woran Kunden die Qualität vorab erkennen. Dazu zählen Referenzen, Bewertungen und die eigene Website.
Phase 5: Budget und Zeitplan
Erst jetzt wird über Geld gesprochen. Ein brauchbarer Ansatz ist, rückwärts zu rechnen: Wie viel darf ein Neukunde kosten, wie viele Neukunden sind das Ziel, und wie viele Anfragen braucht es dafür bei deiner Abschlussquote? Daraus ergibt sich ein Rahmen, der sich begründen lässt. Der Zeitplan legt fest, welche Maßnahme wann startet. Sinnvoll ist eine Reihenfolge, in der zuerst die Grundlagen stehen, etwa Website und Messung, und erst danach bezahlte Reichweite.
Phase 6: Umsetzung und Erfolgskontrolle
Ein Konzept ist nur so gut wie seine Kontrolle. Lege vorab fest, welche Kennzahlen du monatlich ansiehst und ab welchem Wert du nachsteuerst. Typische Kennzahlen sind Anfragen pro Kanal, Kosten pro Anfrage und die Quote, mit der aus Anfragen Aufträge werden. So erkennst du nach wenigen Monaten, welche Kanäle tragen und wo Budget verschwindet.
Beispiel: Marketingkonzept für einen Metallbaubetrieb
Das folgende Beispiel ist bewusst vereinfacht und zeigt, wie die Phasen ineinandergreifen. Ausgangslage ist ein Metallbaubetrieb mit 25 Mitarbeitenden, der vor allem von Empfehlungen lebt und mehr Aufträge von Gewerbekunden gewinnen will.
- Situationsanalyse: Rund 80 Prozent der Aufträge kommen über Empfehlungen. Die Website ist veraltet und erzeugt kaum Anfragen. Die Stärke liegt in Sonderanfertigungen mit kurzer Lieferzeit.
- Ziel: 10 Anfragen pro Monat von Gewerbekunden im Umkreis von 80 Kilometern innerhalb von sechs Monaten.
- Zielgruppe: Bauleiter und Einkäufer von Bauunternehmen und Industriebetrieben in der Region.
- Positionierung: Sonderanfertigungen in Metall, schneller geliefert als beim Großbetrieb.
- Marketing-Mix: Neue Website mit Referenzprojekten und klarer Anfrageführung, Suchmaschinenoptimierung für Begriffe wie Stahlbau und Sonderanfertigung in der Region, begleitend Google Ads für kaufnahe Suchanfragen.
- Budget und Kontrolle: Monatliches Werbebudget nach Kosten pro Anfrage, Auswertung der Anfragen je Kanal einmal im Monat.
Auffällig ist, was in diesem Konzept fehlt: Social Media spielt kaum eine Rolle. Die Zielgruppe sucht bei Bedarf gezielt über Google, sie scrollt nicht nach Stahlbau. Genau solche Entscheidungen sind der eigentliche Wert eines Konzepts. Es sagt nicht nur, was du tun solltest, sondern auch, was du dir sparen kannst.
Vorlage: Checkliste für dein Marketingkonzept
Statt einer leeren Dokumentvorlage hilft eine Liste von Fragen mehr. Kannst du jede davon mit Zahlen oder einem klaren Satz beantworten, steht dein Konzept auf einem soliden Fundament.
- Woher kommen heute deine Kunden, und was kostet ein Neukunde?
- Welche zwei oder drei Wettbewerber verlieren Kunden an dich, und warum?
- Welches messbare Ziel willst du bis wann erreichen?
- Wer genau ist deine Zielgruppe, und wer entscheidet dort über den Kauf?
- Warum sollte diese Zielgruppe bei dir kaufen? Passt die Antwort in zwei Sätze?
- Welche Kanäle nutzt deine Zielgruppe, wenn sie ein Problem lösen will?
- Was darf eine Anfrage kosten, und welches Budget ergibt sich daraus?
- Welche Kennzahlen prüfst du jeden Monat, und wer ist dafür verantwortlich?
Die häufigsten Fehler
- Mit Maßnahmen beginnen: Wer zuerst Kanäle wählt, baut die Strategie nachträglich um die Werkzeuge herum.
- Alle ansprechen wollen: Eine Botschaft für jeden erreicht am Ende niemanden richtig.
- Ziele ohne Zahl: Ohne messbares Ziel lässt sich weder Budget begründen noch Erfolg erkennen.
- Keine Messung einrichten: Ohne sauberes Tracking bleibt jede Auswertung ein Bauchgefühl.
- Das Konzept in die Schublade legen: Ein Marketingkonzept ist ein Arbeitsdokument und sollte mindestens einmal im Jahr überprüft werden.
Selbst erstellen oder beraten lassen?
Ein Marketingkonzept kannst du grundsätzlich selbst erstellen. Die Phasen und die Checkliste oben geben dir dafür den Rahmen. Schwierig wird es meist an zwei Stellen: bei der ehrlichen Analyse der eigenen Lage und bei der Entscheidung, auf welche Kanäle bewusst verzichtet wird. Ein Blick von außen hilft genau dort.
Für kleine und mittlere Unternehmen kann eine solche Beratung gefördert werden, etwa über Programme des Bundes oder der Länder. Als bei RKW Hessen akkreditiertes Beratungsunternehmen erstellen wir förderfähige Marketingkonzepte und begleiten auf Wunsch auch die Umsetzung. Im kostenlosen Erstgespräch klären wir, wo dein Unternehmen steht und ob eine Förderung infrage kommt.
Zusammenfassung
Ein Marketingkonzept verbindet Analyse, Ziele, Strategie, Marketing-Mix und Kontrolle zu einem Plan, der sich begründen und überprüfen lässt. Ob du dabei mit 4, 6 oder 7 Phasen arbeitest, ist zweitrangig. Entscheidend ist die Reihenfolge: erst verstehen, dann entscheiden, dann umsetzen. So fließt das Budget in Maßnahmen, die zur Zielgruppe passen, und nach wenigen Monaten weißt du, was wirkt.
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